mobbing competence center baden-württemberg
mobbing competence centerbaden-württemberg

Stalking

Der Begriff Stalking wurde von der englischen Sprache übernommen. Wörtlich übersetzt bedeutet Stalking „sich Anpirschen und Heranschleichen“. Im juristischen Sinne wird Stalking definiert als „das beabsichtigte und wiederholte Verfolgen und Belästigen eines Menschen, so dass dessen Sicherheit bedroht und er in seiner Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt wird“. Das Täterverhalten gleicht den Strukturen des Mobbings.

 

In der Gesellschaft bekannt wurde der Begriff Stalking hauptsächlich durch Prominentenfälle. Leider erfährt laut Statistik jedoch jeder Zehnte im Laufe seines Lebens Stalkinghandlungen innerhalb seines eigenen Persönlichkeitsbereiches. Die meisten Opfer werden dabei von ihren Ex-Partnern verfolgt. Zwei Drittel der Betroffenen kannten sich vor den einschlägigen Handlungen bereits.

Typische Stalking-Handlungen sind beispielsweise das Verfolgen durch die eigene Person, indirektes oder direktes Drohen oder Beschimpfungen. Sehr oft werden die Betroffenen durch Warenbestellungen, die der Täter in ihrem angeblichen Namen für sie aufgegeben hat, belästigt. Verleumdungen und üble Nachreden reichen vom Privat- bis in das Berufsleben und können für den Betroffenen neben psychischen Belastungen auch soziale Folgen haben.

 

Der Betroffene empfindet das Täterverhalten zunächst oftmals als eine unangenehme Belästigung. Dauern die Handlungen über einen längeren Zeitraum an oder verstärken sie sich erlebt der Betroffenen eine Hilflosigkeit, die aufgrund der Angst vor Attacken auf sich oder nahestehende Personen in schwerwiegende psychosomatischen Beschwerden gipfeln können. Vermehrte Schreckhaftigkeit, Konzentrationsprobleme im Alltag und Panikattacken gehen im fortgeschrittenen Stadium meistens einher. Das Opfer kann zunehmend gereizter werden und  sich einer zunehmenden sozialen Isolierung aussetzen – sei es, um sein Umfeld vermeintlich schützen zu wollen und für den verzweifelten Versuch die Kontrolle über das Täterverhalten zu erlangen oder weil sich das Umfeld mit Unverständnis von sich aus zurückzieht und Kontakt zu dem Betroffenen meidet.

 

Rechtliche Möglichkeiten:


Im Jahr 2007 wurde ein neuer Straftatbestand in das Strafgesetzbuch eingeführt. Mit § 238 StGB, der sogenannten „Nachstellung“ wurden stalkingtypische Verhaltensweisen unter Strafe gestellt und mit der parallelen Aufnahme in die Strafprozessordnung wurden in § 112 a StPO Voraussetzungen aufgestellt, unter denen ein Haftgrund zur Anordnung der Untersuchungshaft (umgangssprachlich auch als Deeskalationshaft bezeichnet) bestehen kann. Das Strafgesetzbuch umfasst mit zahlreichen weitergehenden Straftatbeständen, wie z.B. den Hausfriedensbruch, die Nötigung oder die Körperverletzung auch weitergehende Normen, die das einschlägige Täterverhalten unter Strafe stellen.
In zivilrechtlicher Hinsicht besteht die Möglichkeit nach dem Gewaltschutzgesetz vorzugehen. Dies jedoch setzt ein aktives Vorgehen des Betroffenen voraus, da er einen Antrag auf eine solche Schutzanordnung stellen muss.

 

Leitfaden:


Jeder Betroffene erlebt eine andere Ausgestaltung von Stalking und muss daher isoliert  betrachtet werden. Die nachfolgenden Verhaltensweisen können dem Betroffenen jedoch ein Leitfaden sein, um Stalkingverhalten zu reduzieren:

  1. Isolieren Sie sich nicht, sondern suchen Sie gezielt Unterstützung im Familien-oder Bekanntenkreis. Informieren Sie Ihr privates und berufliches Umfeld über die Situation.
  2. Lehnen Sie Kontakte mit dem Stalker/der Stalkerin eindeutig und konsequent ab.
  3. Dokumentieren Sie die Geschehnisse ähnlich wie in einem Mobbingtagebuch. Das hilft im Falle eines prozessualen Antrages bei der Beweislast. 
  4. Suchen Sie sich Unterstützung. Nehmen sie die Hilfe von erfahrenen Coaches an.   Suchen Sie sich Rat durch einen auf Stalking spezialisierten Rechtsbeistand.